Die ersten Minuten gingen eigentlich noch ganz gut. Aber nun stehen wir mitten in der Stadt und ich spüre auf einmal meine Beine nicht mehr. Das Gesicht brennt richtig, jeder Atemzug fühlt sich an wie tausend kleine Messerechen, welche sich ihren Weg durch den Hals in meine Luftröhre bahnen.
Hübsch ist es in Ulan Ude, aber bitter kalt.

Sascha möchte noch unbedingt ein Foto von dem Größten Leninkopf, den es gibt. Wir können ihn aus der Ferne sehen. Sascha meint zu mir: „Wir müssen noch ein wenig laufen für ein gescheites Foto“ ich rufe zurück „Nein! Wir müssen gar nichts! Meine Kamera hat ZOOM!“
Wie man zweifellos erkennen kann funktioniert das auch ganz einwandfrei!
Wir retten uns in ein Mineralienmuseum, danach zum Historischen Museum. Wir gehen nicht, wir rennen. Dennoch bilden sich auf unseren Wagen Eiskristalle. Leider konnte ich diese nicht gescheit fotografieren – die Kamera streikt bei unter -30 Grad.

In dem Historischen Museum sind wir eine kleine Atraktion, Europa verirrt sich wohl nicht so oft hier her. Wir werden sehr herzlich begrüßt, unser Russisch wird gelobt, jede einzelne Ausstellung wird extra für uns geöffnet.
Besonders der Medizinische Atlas aus Tibet lässt uns wirklich staunen. Es ist nicht nur die farbenpracht, welche wir beiden Jurastudentinnen so fasziniert, sondern auch, wie die Menschen vor mehr als 200 Jahren schon teilweise einen so genauen Einblick in Medizinische Vorgänge hatten. Leider haben die beiden Museumswärterinnen ganz streng aufgepasst dass wir keine Fotos machen.
Und als uns die Museumswärterinnen dann doch alleine gelassen haben haben wir uns mal ganz dreist in die Ausstellung selber integriert
uns tierisch alte Hüte stibitzt und aufgesetzt

das kalte sibirische Klima scheint alle Reifungsprozesse, welche wir in den letzten 15 Jahen durchgemacht haben über den Haufen zu werfen.
Irgendwann ist es dann wieder so weit, ich muss so lachen, dass ich zitter mir Tränen in die Augen steigen. Wer mich kennt, weis dass ich das ganz besonders gerne in Museen, dramatischen Kinoszenen oder beim Balett bekomme.

Warm angezogen und mit völlig erwachsener Mine verlassen wir das Museum.

Am frühen Nachmittag trauen wir uns doch noch einmal ein wenig raus und schlendern durch die Stadt.
Besonders gut gefallen uns die Holzhäuser, welche liebevoll verziert sind.


Die Nähe zur Mongolei und China ist allgegenwertig. Mit unserem Europäischen Aussehen fallen wir auf. Weit ragt meine Nase aus dem Gesicht raus, ist ungeschützt und friert ganz fürchterlich, auch meine Stirn liegt viel zu weit vorne für diese Kälte. Kurz: Für dieses Klima bin ich irgendwie nicht gebaut worden.
Und weil ich eben nicht dafür gebaut bin noch länger drausen rum zu laufen flüchten wir uns in ein Cafe, in welchem die Tasse Tee gerade einmal 5 Rubel kostet.
Ich übetreibe nicht, wenn ich sage: Bis ich wieder warm geworden bin habe ich neun Tassen Tee gebraucht.
Noch einmal kurz durch die Fußgängerzone, quasi dem Nevskii Ulan Udes

Den Abend verbringen wir bei unseren Couch-Hosts. Anna erzählt uns von ihrer Reise quer durch Russland bis nach China per Autostopp. Ich muss vor dem Mädel echt meinen Hut ziehen! Sie war zwar im Gegensatz zu uns auch in männlicher Begleitung aber konnte ebenfalls im Gegensatz zu uns kein Wort Russisch.
Von Annas Mut angestiftet holen Sascha und ich meine Mini-Weltkarte raus und diskutieren bis in die Späte Nacht wo es denn als nächstes hingehen soll