Als ich gestern Abend den ersten Zug nach Moskau gesehen habe, hab ich es ehrlich gesagt ein klein wenig mit der Angst zu tun bekommen. Die Liege auf der ich in der ersten Nacht schlafe ist maximal 60 cm breit. Als ich erst einmal oben liege, mag ich mich gar nicht mehr bewegen, weil ich Angst habe doch runter zu fallen, auf der linken Seite zieht es vom Fenster furchtbar kalt rein, auf der rechten laufen pausenlos Menschen auf Kopfhöhe vorbei.
Ich bin eigentlich ein absoluter Seitenschläfer, aber jetzt trau ich mich nicht und bleibe lieber auf dem Rücken liegen. Zu groß ist die Angst, dass ich runterfalle. Nur kann ich so garantiert nicht schlafen.
Nach einer schlaflosen Stunde schnappe ich mir ein paar Fleecedecken vom Bett gegenüber, lege sie ans Fenster, mich selber auf die Seite und drücke meinen Rücken fest gegen die Decken. Beine angewinkelt ist die ganze Sache richtig „stabil“ und ich kann einigermaßen schlafen.
Drei Stunden später wache ich genau so auf, wie ich eingeschlafen bin.
Irgendwas riecht ganz eklig nach süßer Minze. Innerlich ziehe ich über den Deppen her, der für den Geruch verantwortlich ist, welcher sich durch den ganzen Wagon auszubreiten scheint.
Ach wer hätte es gedacht: Des Übels Ursprung bin ich. Meine Mundspülung war nicht richtig verschlossen, ist ausgelaufen und verhilft meinem minzgrünen Rucksack zum passenden Duft! Welch Freude!
Umziehen geht nur unter der Decke, auf den Toiletten habe ich zu viel Angst, dass etwas den Boden berührt. Diesen möchte ich gar nicht genauer beschreiben.
In Moskau angekommen machen Sascha und ich „Katzenwäsche“ auf der Bahnhofstoilette. Mehr ist leider nicht drinnen. Sascha hat eindeutig die bessere Reisefrisur, ich flechte mir einen festen Zopf, weil mich kurze Haare nicht so sehr überzeugen.
Moskau selbst war in den fünf Stunden Aufenthalt unspektakulär. Gut, wir haben uns einmal verlaufen und ich hab mal wieder so ein Franzi-Panik-wir-bekommen-den-Zug-nicht-Ding geschoben. Sascha ist cool geblieben und hat die Show genossen.
Kaffee und Kitkat am Bahnhof und dann nehmen wir endlich Platz in der Transsibirischen Eisenbahn.
Angekommen im Zug, in DEM Zug. Es ist weitaus weniger romantisch als man sich das so denkt. Wir haben Platzkarta gebucht, das heißt 52 Leute plus Schaffnerinnen in einem Wagon, keine Abteile. Wir teilen uns einen Raum zum Schlafen, zwei Toiletten, einen Samowar. Privatsphäre? Am Bahnhof abgegeben. Dusche? Nö, die hat es nicht in den Wagon geschafft.


