Auf den Ersten Blick wirken unsere „Abtrennungsnachbarn“ ganz nett. Naja, so ein erster Eindruck kann täuschen. Immer wieder werden wir gefragt, warum wir denn alleine fahren, so ganz ohne Männer, ob in Ulan Ude jemand auf uns wartet oder ob wir nicht mit ihnen weiterfahren wollen.  Völlig ungeniert erzählt Sergej seinem Freund am Telefon dass er jetzt hier im Zug ein „kleines Deutschchen“ neben sich hat, welche er sich jetzt klar macht.

Micheal und Sergej entpuppen sich nicht gerade als Kenner der Geografie. Zitat: „Kommt man von Sankt Petersburg über Moskau oder über Finnland nach Polen?“. Auch in Geschichte haben sie das ein oder andere wichtige Ereignis verpasst. M:“Hitler ist doch auch aus Deutschland“ daraufhin S: „Ja, aber ich glaub der ist schon Tod“ (wohl gemerkt ohne Ironischen Unterton)

Ansonsten finden wir uns mit den Transsibirischen-Eisenbahn-Bedingungen ab. Wir haben  Feuchte-Babytücher gekauft, mit denen wir uns zumindest ein wenig Körperhygiene vorspielen. Ausgerüstet mit Tütensuppe und Tassenpudding lässt sich zwar kein kulinarisches Neuland betreten, verhungern müssen wir aber auch nicht.

Gemütlich ist es nicht in der Transib. Um ehrlich zu sein, ich werde wohl eher stolz auf mich sein, dass ich die Fahrt überstanden habe.

Es ist schon komisch, wir Europäer sitzen hier drinnen, weil wir uns vorstellen, dass es furchtbar romantisch sein muss. Weil wir das Abenteuer suchen, Neues erleben wollen. Jeder Russe wünscht sich die Fahrt nicht machen zu müssen, wünscht sich ein Flugticket leisten zu können. Immer wieder  stoßen wir mit unserer Entscheidung freiwillig fünf Tage im Zug zu verbringen auf Unverständnis.

Wir sind jetzt richtig aus den Vorstädten rund  um Moskau raus, schier endlose Landschaften ziehen vorbei. Ich lehne mich zurück, schaue aus dem Fenster. Jetzt kann ich sie doch ein wenig genießen, die Reise durch Schneemassen und Zeitzonen.